Oh Tannenbaum

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Der Baum steht!

Spezial-Transporte "Special" ... Oh Tannenbaum

Weit oben in den Baumwipfeln knattert eine winzige Motorsäge, kaum größer als ein elektrisches Brotmesser, nur um einiges lauter. Sie gehört dem Baumpfleger Fred Burri, der sich hier in rund 40 Meter Höhe an eine Douglasie gebunden hat und Platz für ein Kranseil schafft. Ast für Ast fällt dem bissigen kleinen Brummer zum Opfer, dann wird es still. Burri legt ein dickes Lastseil zweimal um den Stamm und gleitet danach denselbigen hinunter. Der Baum hängt nun am Seil eines 100-Tonnen-Autokrans, dessen Fahrer Alain Jacquelin genauestens beobachtet, wie Burri nach unten steigt.

Als er unten ankommt, startet Jürgen Schwarze eine Säge. Sie ist von gänzlich anderem Kaliber: Mit Macht frisst sich die rotierende Kette in den rund 90 Zentimeter dicken Stamm. Eine tiefe Kerbe schneidet er hinein, ebenso sein Kollege Fritz Mäder. Da ertönt auch schon ein durchdringendes Knacken. Ein paar entscheidende Schnitte später hängt der 58 Meter hohe Nadelbaum senkrecht am Kran. Umfallen darf der nicht, denn er soll in seiner ganzen Länge zu Deutschlands höchstem Maibaum gemacht werden.

Udo Vennema, Hotelier aus Nordenham, hat ihn gekauft. Der Maibaum soll die Attraktion seiner Herberge am Weserstrand geben. "Bei uns kann man den bis zu 25 Kilometer weit sehen", sagt der Mann aus dem norddeutschen Flachland. Bis er dort ankommt, ist es noch ein weiter Weg. Hier im südlichen Schwarzwald haben die fürstlichen Förster 1873 diese nordamerikanische Baumart eingeführt. "Und auch heute noch ist dies ein wichtiger Nutzbaum für uns", erklärt Revierförster Chris Gottschlug. "Im Augenblick exportieren wir viele Stämme nach Saudi-Arabien als Strommasten." Das widerstandsfähige Holz überdauert dort länger als Eisen und auch unserem heimischen Holzwurm schmeckt es nicht.
Ein mächtiger Forstschlepper vom Typ John Deere Skidder hilft nun dem Kran beim Ablegen des Baumes. Kein leichtes Unterfangen für Alain, der beim Schwenken nicht an den anderen Bäumen hängen bleiben will. Zwölf Tonnen Gewicht zeigt ihm das Display an. Als der Stamm schließlich in die Horizontale kommt, gräbt er einen tiefen Graben in den Waldboden. Kaum haben ihm die Waldarbeiter noch ein paar Äste abgesägt, zieht ihn der Skidder von dannen. Einem Besen für Riesen gleich wischt der Wipfel über den Schotter. 300 Meter weiter wartet die Firma Knöbel bereits mit Zugmaschine und Nachläufer auf das außergewöhnliche Transportgut. Werkstattmaster Norbert Anhorn soll ihn fahren. Zusammen mit Alain baut das Knöbel-Team zuerst ein Tragegestell aus den Gittermastteilen eines Krans zusammen.
In der ersten Ortschaft muss das Team dann Baum noch einmal abladen.

Die Forstleute haben schon frei, sitzen bei einem kühlen Bier, das Spediteur Frank Knöbel eigens samt Tischen und Sonnenschirm hier aufgefahren hat. Interessiert schauen sei der Montage zu.

Anschließend packt Alain noch einmal den Baum. Er muss zunächst den Schwerpunkt suchen, ein paar Mal müssen die Männer neu anlaschen, dann schwenkt er vorsichtig nach oben. Eine Stromleitung führt direkt über den Kran, da heißt es gut aufpassen. Aber der Baum landet sicher auf seinem Stützkorsett - Feierabend für heute.

Am anderen Morgen hat Norbert seinen Großen Auftritt. Der gut 62 Meter lange Zug muss durch einige Dörfer zur Autobahn. Erst auf der A5 spielt die Länge keine Rolle mehr. Der erfahrene Mann bleibt völlig gelassen, obwohl er den Scania heute zum ersten Mal selbst fährt. 30 Jahre Lkw-Erfahrung machen ihn sicher. Und es geht geschmeidig los. Die Polizei vorne hält ihm in den Kurven den Raum zum Ausholen frei. Zügig rollt der Langholzwagen nach Kandern hinein, aber in der Ortsmitte ist erst einmal Schluss. Die Abzweigung nach Hammerstein ist mit dieser Länge niemals zu machen. Aber kein Problem, Alain ist schon zur Stelle. Samt Tragegestell lässt er den Baum über die Häuser schweben. Norbert dockt den Nachläufer an und biegt auch um die Ecke. Jetzt muss er nur wieder auf die richtige Länge auseinander fahren und Alain setzt wieder ab. Der Franzose hat seinen Job jetzt erledigt und verabschiedet sich. Bis zum nächsten Ort geht es im Treckertempo weiter. Marc Krieg sitzt hinten drauf und genießt den Fahrtwind, richtig viel zu tun hat er vorerst nicht. Doch bei der nächsten Ortseinfahrt ändert sich das. Zwischen Bäumen und einem Blumenbeet hindurch zwängt sich die Zugmaschine auf die querende Durchgangsstraße. Es geht so gerade noch mit Ausnutzen der kleinen Rasenfläche auf der anderen Straßenseite.

Überhaupt muss sich der Scania heute einige Geländeeinsätze gefallen lassen: Einen Kreisverkehr kurz vor der Autobahn nimmt der Schwede ebenso querbeet unter die Räder wie die Autobahnauffahrt bei Binzen. Auch da muss Norbert über den Grünstreifen, damit er gegen die gesperrte Fahrtrichtung auf die A98 kommt, um schließlich bei Weil am Rhein auf die A5 zu biegen. Im Fernverkehrstempo geht es noch bis zum Rasthof Breisgau, wo heute erstmal das Etappenziel ist. Diesen Samstagnachmittag beendet die Spedition mit einem Grillfest.

Quelle: Fernfahrer Nr. 11 • November 2006


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